Lessons Learned
EXPERTISE SICHERN ist kein lineares Projekt, sondern ein Lernprozess, auch für uns. Mit jedem Schritt gewinnen wir neue Erkenntnisse darüber, wie implizites Wissen tatsächlich zugänglich wird. Wir reflektieren intern immer wieder unsere Abläufe, Herangehensweise und Gedankengänge. Im Verlauf der ersten Projektphasen zeichnen sich zentrale Einsichten ab.
1. Motivation und Zugang zu implizitem Wissen
Eine wichtige Erkenntnis aus unserer Projektarbeit ist, dass implizites Wissen sich nicht einfach auf Aufforderung zeigt. Erfahrungswissen lässt sich selten direkt „abfragen“. Es entsteht und wird sichtbar, wenn Menschen erzählen, sich erinnern und gemeinsam über konkrete Situationen nachdenken. Standardisierte Fragebögen oder stark strukturierte Abfragen reichen dafür meist nicht aus. Erfolgreicher sind dialogische Formate, die Raum für Reflexion lassen und eine Atmosphäre schaffen, in der nicht bewertet, sondern verstanden wird.
Ebenso zentral ist die Motivation der Expert*innen. Implizites Wissen wird vor allem dann geteilt, wenn Menschen einen Sinn in diesem Prozess erkennen. Reine Nutzenargumente reichen dabei oft nicht aus. Entscheidend ist vielmehr intrinsische Motivation: das Gefühl von Anerkennung, Wirksamkeit und Wertschätzung. Wenn Expert*innen spüren, dass ihre Erfahrung ernst genommen wird und Bedeutung hat, entsteht Offenheit für den Austausch. Zeitdruck, Bewertungsdruck oder das Gefühl von Kontrolle können diesen Prozess dagegen deutlich erschweren.
2. Hemmnisse und Erfolgsfaktoren
Im Verlauf unserer Projektarbeit zeigt sich immer wieder die gleiche zentrale Frage: Was braucht es eigentlich, damit die Erhebung impliziten Wissens gelingt und was steht ihr im Weg? Zum Glück müssen wir dabei nicht bei null anfangen. Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen bereits, unter welchen Bedingungen die Sicherung impliziten Wissens besonders gut funktioniert und welche Faktoren sie erschweren. Diese Erkenntnisse helfen uns, typische Hemmnisse früh zu erkennen und gezielt Erfolgsfaktoren zu stärken.
3. Gleichstellung
Eine zentrale Erkenntnis aus unserer Projektarbeit ist: Implizites Wissen ist nicht automatisch sichtbar. Wer als Expert*in wahrgenommen wird, hängt oft nicht nur vom tatsächlichen Erfahrungswissen ab, sondern auch von Sichtbarkeit, Auftreten oder bestehenden Rollenbildern. Häufig gilt: Wer präsent ist, wirkt kompetent, doch diese Wahrnehmung ist nicht immer objektiv.
Deshalb ist Gleichstellung für uns kein Zusatzthema, sondern ein wichtiger Bestandteil guter Wissenssicherung. Ohne eine bewusste Perspektive besteht die Gefahr, dass relevantes Erfahrungswissen übersehen wird, weil bestimmte Personen weniger sichtbar sind oder sich selbst zurücknehmen.
Ein wichtiger Faktor dabei sind Unconscious Bias – unbewusste Denkmuster, die beeinflussen, wen wir als kompetent wahrnehmen oder als Expert*in auswählen. Im Projekt sensibilisieren wir deshalb gezielt für solche Verzerrungen und arbeiten mit klaren Kriterien bei der Auswahl von Expertinnen.
So stellen wir sicher, dass Wissenssicherung möglichst vollständig gelingt, und dass entscheidendes Erfahrungswissen nicht übersehen wird.